Hospizdienst Weinsberger Tal e.V. - Ethische Fragen am Lebensende
 

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Heilbronner Stimme, Dienstag, 19. Juni 2012

Ethische Fragen am Lebensende
150 Zuhörer bei Podiumsgespräch mit Arzt, Jurist und Pfarrer

Von Margit Stöhr-Michalsky

Was braucht ein Mensch am Ende seines Lebens bei einer unheilbaren Krankheit? Was mutet man ihm und seinen Angehörigen zu? Welche Ängste sind da? Wie kann er selbstbestimmt und würdevoll sterben? Fragen, die ein Podiumsgespräch mit Arzt, Jurist und Pfarrer unter der Überschrift „Ethische Fragen am Lebensende“ im evangelischen Gemeindehaus in Weinsberg versuchte, zu beantworten. Eingeladen hatten die evangelische Kirchengemeinde Weinsberg und der Hospizdienst Weinsberger Tal. Die Moderation übernahm Pfarrer Michael Vetter.

Großes Interesse „Der Gesprächs- und Informationsbedarf ist da. Das ist die Erfahrung mit Angehörigen und Pflegenden Schwerstkranker“, berichtete Horst Gold, der Vorsitzende des Hospizdienstes. 150 Zuhörer zeigten ihr Interesse am Podiumsgespräch, wobei die jeweils zehnminütigen Statements der Beteiligten ein großes Zeitfenster beinhaltete.



Im Gespräch (von links): Dekan Georg Ottmar, Rechtsanwalt Dr. Markus Kleine und der Facharzt für Allgemeinmedizin, Sigmund Jakob.  Foto: Stöhr-Michalsky


„Wie möchte ich sterben?“ Das sei ein existentielles Thema, sagte der Sigmund Jakob, der im Stationären Hospiz bisher 1000 Menschen betreute. Der Palliativmediziner setzt sich für Schmerztherapie ein und bildet hier Pflegende aus. Die Fachrichtung beinhaltet die aktive ganzheitliche Behandlung und Versorgung Sterbenskranker.

Der Arzt sei gefordert, sich nicht nur mit körperlichen Symptomen, sondern auch mit der Biografie, der Persönlichkeit und der Seele des Menschen zu befassen. „Der Mensch und sein Wille stehen im Mittelpunkt“, führte er aus. So habe ein Patient durchaus ein Recht auf Therapieabbruch.

Der Fachanwalt für Medizinrecht und Hospizbegleiter, Dr. Markus Kleine, sprach über Recht und Ethik im Allgemeinen und über die Patientenverfügung, die eine Rechtssicherheit biete. „Bürger haben verschiedene Wertvorstellungen, die nicht individuell im Gesetz verankert werden können. Das Recht kann nur einen Teil der Wirklichkeit regeln“, sagte er. In Deutschland sei das Töten auf Verlangen strafbar. Ginge es um das Wohlbefinden des Patienten in der Sterbephase und trete dann der Tod ein, so sei das dem Pflegenden nicht anzulasten.

Menschenwürde Mit der Würde des Menschen im christlichen Menschenbild befasste sich der Weinsberger Dekan Georg Ottmar. Die Menschenwürde sei unantastbar über den Tod hinaus. Die Angst vor dem Sterben sei geprägt durch die Angst vor Schmerzen, vor dem Alleinsein und vor dem Abschiednehmen, meinte der Dekan. Eine gute Kommunikation der Beteiligten sei hier wichtig. Die Freiheit von Angst führe von der Verzweiflung hin zur Willensbildung und Selbstbestimmung.

 

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Sulmtaler Woche, Mittwoch, 20. Juni 2012

Podiumsgespräch im evangelischen Erhard-Schnepf-Gemeindehaus Weinsberg

Ethische Fragen am Lebensende

Text und Bilder: Harald Löw

Das Interesse an diesem Thema ist enorm. Rund 130 Besucher sind zu dem Podiumsgespräch der evangelischen Kirchengemeinde und des Hospizdienstes Weinsberger Tal gekommen.

Der Facharzt für Allgemeinmedizin und Palliativmediziner Dr. Sigmund Jakob, Fachanwalt für Medizinrecht und Hospizbegleiter Dr. Markus Kleine und Dekan Georg Ottmar diskutieren über dieses schwierige Thema. Durch das Gespräch führt Pfarrer Michael Vetter.

„Irgendwann müssen wir uns alle einmal mit diesem Thema auseinandersetzen", macht Dr. Jakob deutlich. Als Palliativmediziner habe er bereits 1.000 sterbende Patienten betreut. Der ethischen Seite komme dabei eine wichtige Stellung zu. Dies müsse der Arzt berücksichtigen und bei seinem Tun und Handeln mit hineinnehmen. Neben den ethischen Fragen müsse bei der Sterbebegleitung aber auch die juristische Seite angesprochen werden.

Trotz der mittlerweile sehr fortgeschrittenen und oft auch lebensverlängernden Apparatemedizin dürfe sich der Arzt aber keinesfalls über den Willen des Patienten hinwegsetzen. In der Palliativmedizin nehme der Wille des Patienten einen großen Raum ein. Ganz wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass der Patient seinen Willen in einer Patientenverfügung fixiert.

Das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen sei in unserer Gesellschaft besonders stark ausgeprägt, sagt Dr. Markus Kleine. Dem gegenüber stehen aber die moralischen und christlichen Grundsätze und nicht zuletzt entsprechende gesetzliche Regelungen, die hier klare Grenzen setzen. Allerdings hätten die Menschen dabei recht unterschiedliche Glaubens- und Ethikvorstellungen. „Recht und Ethik decken sich oft nicht. Bei diesen Fragen gibt es keine Beliebigkeit", hebt Kleine besonders hervor. Auch er unterstreicht die Wichtigkeit einer Patientenverfügung. Die Frage, wie sich der Patient entscheide, könne das Recht nicht abdecken.

Dekan Georg Ottmar möchte „von unserem christlichen Menschenbild einen Blick auf dieses Thema werfen. Unsere Menschenwürde ist nicht aus uns selbst gegeben, sondern von Gott. Deshalb ist sie unantastbar". Das christliche Verständnis von Leben gehe auch über den Tod hinaus. Seine Erfahrungen zeigten, das Schlimmste am Sterben sei die Angst vor dem Sterben, vor den Schmerzen, vor dem langsamen Dahinsiechen. Bei der Sterbehilfe richte sich seine Frage an den Mediziner: „Wo sind die Grenzen, zum Beispiel wenn der Patient vom Arzt eine aktive Sterbehilfe fordert". Töten auf Verlangen sei nach wie vor strafbar, macht Kleine deutlich. Dies werde in manchen Ländern zum Teil anders gesehen, wie Beispiele in Holland und der Schweiz zeigen.

Immer wieder kommt die Wichtigkeit der Patientenverfügung zum Ausdruck. Hier komme bei der Willensbildung des Patienten eine wichtige Aufgabe auf mehrere Personen gleichzeitig zu, wie den Arzt, die Angehörigen oder weitere Personen, sagt der Dekan. „Wie kann man feststellen, ob der Patient schmerzfrei ist, wenn sich der Patient nicht mehr äußern kann", oder „wie gestaltet sich die Arbeit des Hospizdienstes, wer kann mir bei der Abfassung einer Patientenverfügung behilflich sein", lauten verschiedene Fragen aus dem Besucherkreis. „Jeder hat jedoch seinen Weg des Sterbens selber zu gehen", sagt Dekan Georg Ottmar und führt in diesem Zusammenhang den 90. Psalm an.


Hospizdienst Weinsberger Tal e. V., Karl-Rebmann-Str. 8, 74189 Weinsberg
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