Hospizdienst Weinsberger Tal e.V. - Podiumsdiskussion Sterbehilfe
 

[Home] [Veranstaltungen und Berichte] [Sterbehilfe] [Kinder und Trauer] [Kindergrab für Totgeborene] [Palliativmedizin] [Wegbeschreibungen] [Wir trauern um Mitarbeitende]

 

Nach oben
Des Lebens müde
Schuldgefühle in der Trauer
Sterbezeit ist Lebenszeit
Gedenkgottesdienst 2016
Kranken begegnen
Im Atem ruhen
Gedenkgottesdienst 2015
Mitgliederversammlung 2015
Seelsorge an Schwerstkranken
Gedenkgottesdienst 2014
Lebensbegleiter Angst
Organe spenden
Resilienz im Alter
Leben mit lebensbedrohlichen Krankheiten
Trauergruppe
Gedenkgottesdienst 2013
Begleiterinnen im Interview
Angst in Krankheit und im Sterben
Wenn nichts mehr zu machen ist ...
Was ist gute Medizin am Lebensende
Trauergottesdienst um Kinder
Mitgliederversammlung 2012
Auf dem Trauerweg
Ethische Fragen am Lebensende
Demenz - Wie soll ich das schaffen
Psychisches Trauma
Schicksal gestalten
Trauern hilft
Fürsorge und Begleitung
Trösten - aber wie?
Trauer braucht Erinnerung
Thienemann Verlag spendet
Lebensräume für alte Menschen
Es ist schön, Zeit zu schenken
Was braucht ein Mensch am Lebensende?
Gedenkgottesdienst
Interview im Echo
Abschiedsspuren Vernissage
Abschiedsspuren Interpretation
Podiumsdiskussion Sterbehilfe
Bevier - Rituale

*******


 Podiumsdiskussion über Sterbehilfe

Selbstbestimmungsrecht bis zur letzten Lebensminute, Patientenverfügung, passive oder aktive Sterbehilfe: Kontrovers, aber sehr sachlich diskutierten die Vertreter auf dem Podium in Weinsberg über diese komplexen Themen.

Aufmerksam verfolgen über 180 Zuhörer im Erhard-Schnepf-Haus die Veranstaltung von Hospizdienst Weinsberger Tal und Weinsberger Kirchen. Lutz Wagner, Leiter des SWR-Studios Heilbronn-Franken, führt die Teilnehmer durch ein "schwieriges Feld" von rechtlichen Möglichkeiten und moralischen Aspekten entlang der Grenze zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe.

Elke Ehrenfeld, Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), spricht sich klar für das "selbstbestimmte Sterben" aus. Die gelernte Krankenschwester hofft auf eine gesetzliche Regelung wie in der Schweiz. Dort darf der Arzt den Freitod nach festgelegten Kriterien begleiten. Ehrenfeld sagt auch: "Wenn meine Krebskrankheit weiter geht, fahre ich in die Schweiz."

Sie vertritt damit die Minderheitsmeinung auf dem Podium. Elfriede Schick, Klinikseelsorgerin in Löwenstein und frühere Pfarrerin in Neulautern, setzt aus christlicher Sicht das "klare Nein" zur aktiven Sterbehilfe entgegen. Aber: Die Mediziner sollten alte Menschen auch sterben lassen, "wenn der Weg dazu eingeschlagen ist".

Dr. Karl-Heinz Koniczek, Leiter des Onkologischen Schwerpunktes Heilbronn im SLK-Klinikum am Gesundbrunnen, fühlt sich in der derzeitigen Rechtslage nicht eingeengt. Bei jährlich 1000 Krebspatienten in der SLK-Klinik höre er nur alle drei bis vier Jahre einmal den Wunsch nach Sterbehilfe im Gespräch. "Die Zahl ist sehr gering."

Dr. Sigmund Jakob aus Weinsberg betreut als Arzt die Patienten im Franken-Hospiz: "Wir Hospizärzte lehnen die aktive Sterbehilfe ab." Auch als Christ habe er keine Verfügungsgewalt über das Leben. Eine immer ausgeprägtere Schmerztherapie ermögliche Patienten eine Lebensqualität in der letzten Phase. Die beiden Ärzte befürchten jedoch einen "Dammbruch" und kritisieren die DGHS wegen einer möglichen Kommerzialisierung, wenn Deutschland gesetzliche Regelungen schaffe.

Ein Fachanwalt für Medizinrecht ist Dr. Markus Kleine aus Heilbronn. Er ließ sich auch zum Hospizhelfer ausbilden. Kleine nennt Grauzonen wie Wachkomapatienten, die künstlich am Leben erhalten werden oder die aktive Sterbehilfe wie in Belgien oder Holland, wenn unheilbare Menschen vom Arzt die "erlösende Spritze bekommen". Kleine rät davon ab, vorschnell Gesetze in Deutschland zu ändern. Zuerst müsse geklärt werden: "Was ist gesellschaftlich erwünscht?"

Einig sind sich alle über die Bedeutung von Patientenverfügungen. Nur zehn Prozent der Deutschen hätten eine, weiß Elke Ehrenfeld zu berichten. Die Mannheimerin hat festgelegt: keine Magensonde legen, nach zehn Tagen im Wachkoma alle Geräte abschalten. Anwalt Kleine findet die Verfügung sinnvoll, wenn man noch klar bei Sinnen sei. Aber: "Man kann nicht alle Situationen vorweg bestimmen." Wichtig sei auch, dass Angehörige Bescheid wissen, ergänzt Jakob. Theologin Schick hat keine Vorsorgevollmacht, "aber Freunde, die wissen, was ich will".

"Was ist das Recht auf Sterben in Würde?", lautet die Schlussfrage des Moderators. Größte Probleme sieht Kleine bei der aktiven Sterbehilfe, er erzählt von weiteren Überlegungen in Holland, ob Eltern die Entscheidung für ihr schwerstkrankes Kind treffen dürfen. "Ich will keine Drittentscheidung", pocht die DGHS-Vertreterin auf die Selbstbestimmung bis zum Tod. Onkologe Koniczek sieht keinen Bedarf für neue gesetzliche Regelungen. Sein Kollege Jakob würdigt die "gute Schmerztherapie und eine gute Sterbebegleitung". Und Elfriede Schick will, "dass an meinem Bett gebetet und gesungen wird".

Heilbronner Stimme am 10.03.2006 von Joachim Kinzinger

zurück zur Startseite "Berichte" >> > hier


Hospizdienst Weinsberger Tal e. V., Karl-Rebmann-Str. 8, 74189 Weinsberg
Einsatzleitung: Telefon 01 72 / 9 53 97 09 Diese Nummer bitte nur wegen Einsätzen anrufen. Alle anderen Themen bitte bei:
  Vorsitzender: Tel. 0 71 34 / 1 06 54, Fax:  0 32 12 / 1 23 62 87
ViSdP: Horst Gold
  info@hospiz-weinsberg.de 

Sollten Sie etwas auf meiner Homepage entdecken, das urheberrechtlich geschützt ist, so bitte ich um kurze Mitteilung per E-Mail. Eine entsprechende Korrektur wird sofort erfolgen.