Hospizdienst Weinsberger Tal e.V. - Begleiterinnen im Interview
 

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proMAGAZIN, Nr. 11/2013

Anderen Zeit schenken

Wie kriegst du das hin ..." diesen Satz hört Ursula Dieterich häufig von ihren Freunden und Bekannten. Die Rentnerin ist eine von rund 30 Hospizbegleitern des Hospizdienstes Weinsberger Tal e.V., die ehrenamtlich Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten. Hauptsächlich ist sie im Franken-Hospiz in Weinsberg im Einsatz, aber auch in Pflegeheimen, in der Klinik Löwenstein und den Privatwohnungen der Sterbenden. Gespräche über den Tod gehören zu den zentralen Aufgaben bei den Besuchen, die die Hospizbegleiter den Betroffenen mehrmals in der Woche abstatten. Soweit es noch möglich ist, zählen aber auch Singen, Beten, Spielen und Spazieren gehen dazu. Im Todesfall leisten die Hospizbegleiter den Angehörigen Hilfestellung bei der Bewältigung ihres Verlustes. Mit einigen der Hinterbliebenen steht Ursula Dieterich noch heute in Kontakt.

Jacqueline Eckstein und Ursula Dieterich bei ihrem Gespräch mit Michael Bächle (Foto)

Schon 2004 machte sie die Ausbildung zur Hospizbegleiterin, nachdem ihr Mann nach langer Krankheit an Knochenkrebs verstorben war. „Der Austausch mit anderen Menschen in der Klinik tat mir damals unwahrscheinlich gut", erzählt die Lehrensteinsfelderin. Noch heute besucht Ursula Dieterich vor jedem neuen Einsatz ihren Mann auf dem Friedhof und erzählt ihm von ihrer Arbeit. „Das gibt mir Kraft", erklärt sie. Außerdem helfen ihr die sogenannten Reflexionsgespräche in der Gruppe. Alle vier Wochen kommen die ehrenamtlichen Hospizbegleiter zusammen, tauschen ihre Erlebnisse und Erfahrungen aus und bauen sich gegenseitig wieder auf.

Das braucht Ursula Dieterich manchmal, denn „man kommt allzu oft an seine eigenen Grenzen." Insbesondere wenn sie junge Menschen beim Sterben begleitet, gerät sie ins Hadern. „Man setzt sich dann immer noch eine Zeit damit auseinander. Manche Fälle gehen mir heute noch nach", räumt die Rentnerin ein. Auf der anderen Seite seien diese Erlebnisse aber auch wertvolle Erfahrungen, sagt ihre Kollegin Jacqueline Eckstein, die seit letztem Jahr im Einsatz für den Hospizdienst ist. „Man lernt bei den Begleitungen viel über sich selbst. Das, was von den Menschen, die man begleitet, zurückkommt, bereichert mich wahnsinnig", meint sie. Ursula Dieterich ergänzt: „Das Gefühl, diesen Menschen etwas zu schenken, ist sehr befriedigend. Und wenn es nur Zeit ist." Auch die Angst vor dem eigenen Tod baue sich mit jeder Begleitung ab, „weil man eine viel konkretere Vorstellung davon bekommt", sagt Jacqueline Eckstein,

Text und Foto: Michael Bächle
Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers und der Zeitschrift ProMAGAZIN,
pVS -
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