Hospizdienst Weinsberger Tal e.V. - Martin Enz Manuskript
 

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Pfarrer Martin Enz ist selbst Vater von drei Kindern im Alter von 7, 9 und 12 Jahren. Er war fünf Jahre lang Seelsorger in der Kinderklinik Tübingen bei "kleinen" Krebspatienten. Seit Januar 2002 leitet er den Diakonisch-Theologischen Fachdienst der "Gustav Werner Stiftung" und von "Haus am Berg". Während seiner Zeit als Pfarrer in Neulautern und Krankenhausseelsorger in der Klinik Löwenstein hat er die erste Gruppe Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter des Hospizdienstes Weinsberger Tal auf Ihren Dienst vorbereitet.

 

Martin Enz, Pfarrer
Reutlinger Straße 16 dienstl. Ringelbachstr. 211, 72762 Reutlingen
Telefon: 07121-278429, Fax: 07121/278300
oder: Martin.Enz@gustav-werner-stiftung.de

 

 

Mit Kindern übers Sterben und den Tod reden

Vortrag im evangelischen Gemeindehaus Löwenstein am 14.11.2002 um 20 Uhr

  1. Einstieg
  2. Über Bilder und Musik

  3. Begrüßung

Liebe Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner im Ev. Gemeindehaus Löwenstein, 

so möchte ich Sie heute Abend nennen, weil ich mich zwar als einen Menschen verstehe, der sehr viel mit kranken und sterbenden Kindern zu tun hatte. Aber auch als einer, der bei jedem Kind und jeder Frage von Kindern neu überlegen muss, wie antworte ich kindgemäß auf Fragen nach dem Sterben und den Tod. Und dort haben Sie bestimmt auch schon Erfahrungen gemacht: gute, wie schwierige, und sei es nur in Ihrer Phantasie.

Und ich möchte Sie begrüßen als "Mitkinder",

denn über den Einstieg mit den Bildern der Folie und der Musik, haben Sie vielleicht ein wenig Kontakt aufgenommen mit dem Kind in sich selbst, jenem Kind, das fragt:

"Warum muss Sterben so einsam sein?

Warum angeschlossen an Maschinen?

Warum müssen Augen von ganz kleinen Kindern vom Sterben erzählen?

Warum die Verzweiflung der Mutter?

Vielleicht haben Sie während der Bilder sich erinnern lassen an eigene Erlebnisse mit Sterben und Tod? An Erlebnisse, die in Ihnen wieder all die Traurigkeit hoch kommen ließ, die Sie vielleicht überwunden glaubten, vielleicht aber auch nicht.

Ziel meines Einstieges heute Abend mit Ihnen ist es, dass wir uns unserer eigenen Gefühle beim Thema Sterben und Tod ein wenig bewusster werden. Ich weiß nicht, ob dies in den wenigen Minuten des Einstieges gelungen ist.

Wichtig ist mir dieser Einstieg, weil beim Reden mit Kindern und Jugendlichen über den Tod, und sei es der Tod der Nachbarin oder gar der Tod des geliebten Kaninchens, wir uns "Erwachsene" im klaren sein müssen, welche Gefühlsorkane – das sind mehr als Stürme – in den Seelen unserer Kinder toben.

Wenn das Thema heute Abend lautet: "Mit Kindern über Sterben und Tod reden", dann wünsche ich mir, dass Sie nicht zuerst nach platten Antworten fragen, sondern dass Sie danach fragen und jetzt auch gleich mit mir nach Antworten suchen auf die Frage: "Wie rede ich mit Kindern über ein Erleben der Kinder, das sie vielleicht nur neugierig gemacht hat – sie aber vielleicht auch im tiefsten ihrer Seele erschüttert hat!"

Rede ich einfühlsam, indem ich zunächst gar nichts sage und nur das Kind in die Arme schließe und ihm Halt anbiete im Toben des Orkanes?

Oder spüre ich die kindliche Neugierde, und versuche ich deshalb diese kindliche Neugierde so zu stillen, dass ich sämtliche wissenschaftliche Bücher hervorziehe, die ich besitze, und indem ich dem Kind dann einen anderthalbstündigen Vortrag halte angefangen bei der Schöpfungsgeschichte, über den so genannten Sündenfall und der damit verbundenen Lehre vom Tod als der Sünde Soll bis hin zu Auferstehungsspekulationen und Reinkarnationsgedanken heutiger Esoterik.

  • Sie dürfen sicher sein:

Ihr Kind wird Sie niemals mehr nach Sterben und Tod fragen und Sie werden erstens ihre Ruhe haben vor lästigen Fragen, die Sie selbst nicht beantworten können, und Sie werden sich zweitens dazu noch einbilden, Ihre Antwort war so gut, dass Ihr Kind jetzt alles weiß und deshalb nichts mehr fragt.

So nicht!

Wie dann? Zunächst, und das noch einmal als wichtigster Punkt an diesem Abend: Versuchen Sie zu spüren, welchen Hintergrund die Frage ihres Kindes hat. Ist es ein emotionaler, oder ein von kindlicher Neugierde geprägter Hintergrund. Die Frage: Papa, wo ist der Opa können Sie dann zweierlei beantworten.

Die einfachere Frage ist die des neugierigen Kindes. Die Antwort könnte lauten: "Nachdem der Opa im Krankenhaus gestorben ist, hat der Herr Maier, du weißt schon, der Bestattungsunternehmer ihn mit einem Sarg vom Aufbahrungsraum der Klinik auf den Friedhof gebracht. Dort liegt er jetzt in einer der Kammer. Sollen wir gemeinsam den verstorbenen Opa dort besuchen?"

Der anderen Antwort, der emotionalen Antwort, möchte ich mich im folgenden mit Ihnen ganz behutsam nähern. Ich beziehe mich im dabei auf den so genannten "Ratgeber für Eltern": Mit Kindern über den Tod sprechen" von Earl. A. Grollmann. Ich empfehle Ihnen dieses Büchlein sehr, wenn Sie sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen möchten, oder wenn Sie sich auf bestimmte Fragen und Situationen einstellen möchten.

III Ich möchte zunächst jedoch mit Ihnen nachdenken, was es uns oft so schwer macht mit Kindern über die Themen Sterben und Tod zu reden.

Ich will schlimme Erfahrungen vom Kindern fernhalten.

Ich komme beim Thema Tod an eigene Grenzen des Verstehens.

Ich weiß, dass meine eigenen Antworten noch unfertig sind.

Die Fragen der Kinder kommen oft so überraschend und lassen mir meist kaum einen Zeit-Raum zum Nachdenken.

Ich möchte kindgerecht antworten, und fürchte dabei etwas Falsches zu sagen.

Das Thema Tod nötigt mich, mich mit meinen eigenen Ängsten den Tod betreffend auseinander zusetzen.

Und wenn das Kind nach dem Tod fragt

Weil: wie oben angesprochen der Opa gerade gestorben ist?:

Weil der Hamster gestorben ist

Weil die Oma im Sterben liegt

Weil es selbst sehr krank ist und der Tod in den Blick kommt?

IV Wie wurde ich in der Erinnerung meiner Kindheit an den Tod herangeführt? Wann bin ich dem Tod wie begegnet? Welche Antworten erhielt ich? Welche waren hilfreich, welche waren für mich weniger wertvoll?

IV.1. Eigene Beispiele:

Bild eines getöteten US-Soldaten im Vietnam-Krieg

Schlachtung zweier Täubchen

Verlustängste die Mutter betreffend (Ahnung von Brüchen im Leben)

Sterben meiner Großmutter – verzweifeltes Beten

Tod meines Vaters 62-jährig

Todeserfahrung aus dem Abbruch einer wichtigen Beziehung

Tod aus dem Buch: "Die Liebe zur Zeit der Cholera"

Sterbebegleitungen in der Lungenfachklinik Löwenstein

 

I.V.2. Konsequenzen

Kinder auf den Tod vorbereiten, und sei es der Tod des Wellensittichs

Bei anstehenden Todesfällen die Kinder vorbereiten

Sich den Fragen der Kinder ehrlich stellen

  1. genau hören, was Kinder fragen: Wo ist Opa? Im Sarg!
  2. Rückfragen, ob eigene Vorstellungen schon da sind und die
  1. positiv aufgenommen werden sollten
  2. nicht negiert, aber in Frage gestellt werden können.

V. Atmosphäre des Vertrauens

Oft können wir Erwachsenen unsre eigenen Reaktionen, Angst, Unsicherheit nicht von der des Kindes unterscheiden.

Kinder müssen merken, dass wir ihre Fragen ernst nehmen. Was nicht bedeutet, dass wir eine wohl wichtige, aber kleine Frage als Auslöser einer Lehrstunde nehmen.

Es gibt wenig Anlässe, wie man den Umgang mit dem Sterben, das Sprechen über den Tod einüben kann. Darum die wenigen Anlässe aufnehmen, aber dem Kind nicht aufdrängen.

Bsp: Sollen wir die alte Kröte im Garten begraben?

VI Wie sollen Kinder auf den Tod der Großmutter, oder die Beerdigung des Onkels, des Bruders vorbereitet werden?

Bücher eignen sich nur, wenn ich sie selbst gut finde.

Bilder und Symbole muss ich auch in ihrer Auswirkung kennen – Raupe, Puppe, Schmetterling.

Vorsicht: Tod ist nicht gleich Schlaf.

Problem: Warum hat er sich vor der langen Reise nicht verabschiedet?

Wann kommt er wieder? Warum schreibt er nicht?

Das gilt auch für die Frage nach einem Leben nach dem Tod.

Wer über seinen Glauben reden kann, der tue dies.

  1. Wieviel können Kinder begreifen
  2. Siehe Anlage

    VII.1 Vorschulalter

    Obwohl ein Kleinkind sich unter dem Wort noch Tod nichts vorstellen kann, reagiert es auf einen Verlust. Ein verändertes emotionales Klima zu Hause und Reaktionen wichtiger Bezugspersonen können die sichere Welt des Kindes durcheinanderbringen.

    Kinder haben keine Angst vor dem Tod (Kübler-Ross), eignen sich jedoch die Ängste der Eltern an.

    Kinder haben vor allem eine Furcht, nämlich die, verlassen zu werden. Die Angst, von den Eltern verlassen zu werden, beginnt im Alter von einem Jahr und kann bis zum 7./8.Lebensjahr dauern.

    Nach einem Todesfall, kann die Trennungsangst groß werden: Verhaltensänderungen, Bedürfnis nach übertriebener Aufmerksamkeit.

    Nachforschungen ergaben, dass bei Kindern folgende Fragen immer wiederkehren: Was ist der Tod? Wodurch sterben Menschen? Was passiert mit den Menschen, wenn sie sterben? Wohin gehen sie?

    Tod wird nicht als endgültig geglaubt. Tod = Schlaf, oder: Reise. Wenn der Vater zur Arbeit geht, wird dies als "Tod" erlebt.

    Fernsehen lehrt: Nach einer Explosion und dem Zerrissen werden, kehrt Micky Mouse gesund wieder zurück.

    Tod gilt als etwas Zufälliges: Autounfall, Einbrecher.

    Tod = Verstümmelungen

    Der Tod tritt nicht unvermeidlich ein. Menschen können ewig leben.

    Grollman S. 37: Wiederholen Sie immer wieder, dass der betreffende Mensch tot ist, niemals wieder lebendig wird und nicht auf dem Friedhof wohnt. Erklären Sie, dass der Tod nicht eine Bestrafung für schlechtes Benehmen ist. Wenn die Worte ausgehen, nehmen Sie die Kinder in die Arme: zeigen Sie ihnen ihre Liebe und Zuneigung.

     

    VII.2. Fünf- bis neunjährige Kinder

    Der Tod wird als etwas Endgültiges begriffen. Alle Lebewesen müssen sterben, aber ich wahrscheinlich nicht. Kinder leugnen den Tod meist nicht, anerkennen aber auch nicht seine Unausweichlichkeit. Der Tod trifft nur andere.

    Tendenz: Tod als Person oder Geist anzusehen

    VII.3. Zehnjährige und ältere Kinder

    Realistische Vorstellungen aufgrund biologischer Beobachtungen.

    Der Tod als das Ende des Lebens ist für diese Altersgruppe ein besonders beängstigendes und schmerzliches Ereignis. Der Tod ist hier die Folge des biologischen Ausfalls der Organfunktionen. Wichtig hier: die Offenheit alles anzusprechen, anzuschauen.

    Exkurs: Kindliche Phantasien über den Tod und das Leben danach, Beispiele von 9 jährigen Kindern

    Martina: Wenn ich mal sterbe, aber mein Herz stirbt dann nicht. Weil immer im Herzen alles gut ist. Und im Himmel ist auch alles gut. Sie malt eine Spirale mit verschiedenen Stationen, am Ende der Sarg, aber davon geht ein Bildchen weiter mit vielen Herzen.

    Claudia: Ich möchte nicht sterben, weil der Tod nicht schön ist. Aber weil alle Menschen sterben, stelle ich mir ein Paradies vor ...

    Timo, 8.J.: Wenn ich ins Grab falle, falle ich ins Nichts, aber immer noch auf eine Art Straße.

    Ulli: Wenn ich ins Grab falle, stelle ich mir vor, dass ich in 1000 Fetzen falle. Im Krieg fallen, zerfetzte Leichen, so entstehen kindliche Bilder aus dem, was sie aufschnappen.

    Katrin: Ich stelle mir vor, dass ich, wenn ich im Grab bin, so lange drin bleibe, bis die Welt von der Sonne verbrannt worden ist. Dann fängt die ganze Welt wieder an: wenn ich dann von meiner Mutter geboren werde, tue ich immer wieder das gleiche und das geht immer so weiter.

    Kirsten: Ich denke über den Tod so: Eigentlich ist ja alles umsonst, was man tut. Denn wenn man sowieso stirbt, ist die Schule, die Arbeit und alles umsonst gewesen. Andererseits sehe ich das so: Jeder Mensch muss einmal sterben, weil sonst kein Platz mehr auf der Erde wäre.

  3. Der christliche Glaube bei der Bewältigung einer Verlust – Erfahrung
  1. die Bedeutung des kurzen Gebetes am Kinderbett

b. Die "Warum" –Frage bei Kindern

weil die alte Kröte bereits sehr, sehr alt war und wahrscheinlich auch eine fürchterliche Krankheit hatte und nicht nur eine Erkältung oder Fieber.

Warum – als Sinnfrage: zuerst nach eigenen Antworten fragen

Ehrlich sein: auch einmal sagen können "Ich weiß es nicht" Von eigenen Hoffnungen reden, so sie mich tragen können.

Einige klassische religiöse Anregungen, wie man Kindern, die den Tod eines ihnen nahestehenden Menschen erfahren haben, helfen kann:

"Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen ..." – Dahinter Steckt die Vorstellung von einem allmächtigen Gott, der willkürlich, unbegreiflich, grausam ist.

"Gott weiß die Antwort, und irgendwann werden wir sie auch wissen ..." – Das sollte man nur sagen, wenn man wirklich davon überzeugt ist.

"Die Krankheit des Kindes ist eine Strafe Gottes." – Dieses Denken steckt in den Köpfen und Seelen vieler Menschen, oft als Frage: "Was habe ich böses getan, dass mein Kind so krank wurde". Geschwister fühlen sich oft schuldig am Tod der Schwester/des Bruders.

Jesus hat solches Denken eindeutig zurückgewiesen (Joh.9). Dennoch taucht der Gedanke immer wieder auf. Vielleicht deshalb, weil wir Menschen nichts mehr fürchten, als die Ursachen für etwas nicht zu kennen, Oder: weil Schuldgefühle immer noch leichter auszuhalten sind als Angst und Trauer.

"Die Kinder, die sterben, werden zu Schutzengeln für andere ..." – Für manche Eltern ist das eine tröstliche Vorstellung, andere können damit gar nichts anfangen. Eine solche Antwort würde ich nicht anbieten, aber – wenn sie von Eltern kommt – aufnehmen. Hier steckt sicher auch der Wunsch dahinter, dem Tod einen positiven Sinn zu geben.

"Gott hat dem Kind viel ersparen wollen. Er hat es zu sich geholt, weil er es besonders lieb hat" – Ich glaube nicht dass ein solcher Satz den Schmerz lindert. Die Reaktion einer Mutter war: Ich will es aber behalten. Wird solches jedoch aus tiefem Herzen geglaubt, widerspreche ich nicht. Dann kann es trösten.

"Jedes Kind hat eine Aufgabe zu erfüllen, dann darf es heim zu Gott. Jeder Mensch hat das Leben las Prüfung zu bestehen, wir dürfen heim, wenn wir unsere 'Hausaufgaben' gemacht haben ..." (nach Elisabeth Kübler-Ross). Auch hier geht es um den Versuch, ewas eigentlich Unverständliches einordnen, verstehen zu können.

Hinter den religiösen Antworten stehen entsprechende Gottesbilder, die man sich möglichst bewusst machen sollte. Bilder von einem allmächtigen Gott sind sehr häufig. Dieser Gott trägt dann auch entsprechende Züge von Willkürlichkeit, Unbegreiflichkeit und Grausamkeit.

Eine andere mögliche Vorstellung wäre: Gott leidet mit uns (Problem: Ist er dann nicht allmächtig?) Er ist da, wo es Menschen schlecht geht. Im Leiden erfahren wir immer wieder überraschende Hilfe. Christus hat am Kreuz erfahren, was menschliches Leiden bedeutet

Damit ist er besonders denen nahe, die leiden. So werden wir getragen gerade auch in dieser eigentlich unerträglichen Situation, Gott wird auch weiterhelfen.

Wir müssen uns damit abfinden, dass unsere Antworten nicht "aufgehen", dass bei jeder Antwort ein Rest bleibt. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Menschen zu einer Annahme dessen, was geschehen ist, erst durch die Klage, den Zweifel kommen, unabhängig von der religiösen Einstellung. Auch für Christen ist die Klage ein Weg der Trauerarbeit.

Eine andere, nicht vom Glauben an Gott getragene Antwort gab Hermann Hesse in: Mechthild Voss-Eiser ""Noch einmal sprechen von der Wärme des Lebens ...""Herder (19,80 DM) S.107

Jetzt bist du schon gegangen, Kind, und hast vom Leben nichts erfahren,
Indes in unsern welken Jahren wir Alten noch gefangen sind.
Ein Atemzug, ein Augenspiel, der Erde Luft und Licht zu schmecken,
war dir genug und schon zu viel; du schliefest ein, nicht mehr zu wecken.
Vielleicht in diesem Haus und Blick sind alle Spiele, alle Mienen
Des ganzen Lebens dir erschienen, erschrocken zogst du dich zurück.
Vielleicht, wenn unsre Augen, Kind, einmal erlöschen, wird uns scheinen
Sie hätten von der Erde, Kind, nicht mehr gesehen als die deinen.

 

Die Frage nach dem "Jenseits"

... ist für mich aus christlicher Sicht in Bildern beantwortet, die es auf ihren Hintergrund zu überprüfen gilt: Im Hause meines Vaters viele Wohnungen, das himmlische Jerusalem ...

aber auch ... es wird sein Heulen und Zähneklappern

... ist für mich das legitime Erzählen von Bilder, die mir als Kind geholfen haben, ist für mich legitimes Erzählen von Hoffnungen und Träumen, die den christlichen Horizont auch überschreiten dürfen, wenn sie ehrlich sind.

... hat in ihren Ausmalungen jedoch auch ihre Grenzen für mich.

Einige Ratschläge zusammengefasst

 

(aus: Earl A.Grollman, Mit Kindern über den Tod sprechen, Ein Ratgeber für Eltern, Aussat – Taschenbuch (12,80) S.12ff

  1. Das Wort "Tod" sollte kein Tabuwort sein. Tod verstehen ist ein lebenslanger Prozeß, der in der Kindheit beginnt und bis ins hohe Alter weitergeht.
  2. Verstehen, daß Trauern und Traurigkeit angemessen für Menschen aller Altersstufen sind. Es kann verschiedene Ausdrucksformen von Leid und Verlust geben.
  3. Geben Sie den Kindern die Möglichkeit, ihre Gefühle auszudrücken. Nicht schädlich ist es, legitime Emotionen Auszudrücken, sondern sie zu unterdrücken.
  4. Kindergarten und Schule informieren.
  5. Bei anderen Menschen Hilfe suchen. Sich Hilfe suchen ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern ein Zeichen von Liebe und Fürsorge.
  6. Nicht: "Du nimmst jetzt die Stelle ein ... " sagen. Nicht sagen: "Du erinnerst mich sehr an ...". Berauben Sie ihr Kind nicht auch noch seiner Kindheit.
  7. Benutzen Sie keine Märchen als Erklärung für das Geheimnis des Todes. Nicht: "Die Oma schläft jetzt friedlich", oder: "Dein Vater ist auf einer langen Reise", oder: "Gott hat deine junge Mutter zu sich genommen, weil er gute Menschen braucht". Was ein Kind am nötigsten braucht, sind Vertrauen und Wahrheit.
  8. Versetzen Sie ihre Kinder nicht in den Glauben, daß Sie auf alle Fragen eine endgültige Antwort haben. "Bist du überrascht, daß ich nicht alles über den Tod weiß? Das sollst du nicht sein. Darum müssen wir auch zusammen über alles sprechen. So können wir uns gegenseitig helfen."
  9. Keine Angst vor eigenen Gefühlen. Verleihen Sie denen auch Ausdruck. Kinder richten sich in ihrer Trauer nach den Erwachsenen. Ein Kind verträgt Tränen, aber keinen Verrat; Leid, aber keine Täuschung. Wenn Erwachsene und Kinder Kummer oder Verlegenheit zeigen können, hilft das beiden, sowohl die "Natürlichkeit" als auch den Schmerz des Todes zu akzeptieren. (anders: wenn ein Kind todkrank ist Anm. M.Enz)
  10. Vergessen Sie nicht, auch weiterhin die Zuwendung zum Kind. Kinder haben das Bedürfnis, selbst zu sprechen, nicht nur zuzuhören. Viele Kinder haben ein geradezu unersättliches Bedürfnis, ihre Gefühle auszudrücken.

 

Ratschläge von Martin Enz

1. Wenn ein Kind fragt, erst nach den eigenen Antworten des Kindes fragen. Oft ist eine Frage lediglich ein Zeichen, dass ein Kind etwas loswerden muss. Haben Sie das Gefühl, Ihr Kind hat eine tragfähige Antwort parat, dann darf die auch "falsch" sein. (Nicht der Ihren entsprechen). "Ist mein toter Wellensittich jetzt bei Gott"?

"Was denkst du denn?"

"Er ist in dem großen Vogelkäfig in der Wilhelma. Dort kommen alle toten Vögel hin, um unendlich zu leben". "Aber nein! Du weißt doch, dass die Bibel von der Erlösung aller Kreaturen berichtet".

2. Wenn das Kind keine Antwort hat, bitte genau auf die Frage achten!

"Wo ist der tote Opa jetzt"?

"Sein Körper wird bestattet, seine Seele ist bei Gott!"

"Und ich dachte, er läge im Sarg".

3. Vorsicht bei Erklärungen. Überlegen Sie, was Ihr Kind noch alles hört. Als ein Junge erfuhr, dass sein Großvater gestorben war, weil er alt und krank war, beschäftigte er sich intensiv mit der Gesundheit seiner Eltern.

4. Wie steht es um Geschichten, die als Antworten für den Augenblick gut sind, die Sie aber zu einem späteren Zeitpunkt zurücknehmen müssen. "Wo kommen die Toten hin?" "Immer wenn ein Mensch stirbt, erscheint er als Stern am Firmament".

5. Nützen Sie Gelegenheiten, mit Kindern über den Tod zu reden. "Sollen wir den verstorbenen Schmetterling beerdigen? Aber

6. halten Sie keine Vorträge.

7. Sprechen Sie behutsam Todeserlebnisse an. Z.B. Bilder und Nachrichten aus den Medien.

8. Erzählen Sie von Ihrer religiösen Überzeugung. Aber Achtung:

Kinder hören genau, wenn es bei Gott angeblich schöner ist als auf Erden.

Kinder halten es aus, dass noch niemand aus dem Jenseits berichtet hat.

Kinder vermuten rasch einen Gott, der verantwortlich für den Tod ist. Sie bekommen das Bild eines (ungerecht) tötenden, (alles sehenden) strafenden Gott.

9. Wenn Sie keine religiösen Überzeugungen haben, dann wagen Sie doch zu hoffen, oder zu träumen. Benützen Sie dabei ruhig auch Bilder, die trösten können!

 

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